Am 12. Januar 2012 fand das Ende zum Anfang. In Daniel Zwissler’s Schmiede, dort, wo vor drei Jahren durch Richard Lehner der erste Rorschacher Schatz gehoben wurde, fand ein im wahrsten Sinne des Wortes fulminantes Abschlussfest statt.
Im Jahr 2011 hatte ich den zugespitzten Auftrag, der Suche nach immateriellen Schätzen nachzugehen, ergo landete ich bei den Menschen.
So sind alle menschlichen Schätze, die Schatzmelder, die Rorschach- Seismografen, Zaungäste, die Gegenlesenden und -liebenden, Mit- und Gegenspieler eingeladen worden, zum Abschluss durch das verbindende Element Schatzsuche an Zwisslers Esse noch etwas zu feiern. Ganz ehrlich, durch den parallelen Umzug meiner Familie 50m weiter nach Osten und die verstreuten Anmeldungen über die Festtage, habe ich mit einem Näherungswert von circa 45 Personen gerechnet. Es kamen etwa 1oo….
Es war das wohl wundersamste der kleinen Alltagswunder der Rorschacher Schatzsuche, dass a) alle Platz fanden in Zwisslers Schmiede, b) alle, die Gerstensuppe und Wienerli haben wollten etwas zu essen bekamen, c) genug Bier da war und Wein. D): Für Weib und Gesang sorgte der Corale St. Cecilia, der nach Daniele “Orfeo” Togni’s wunderschöner Ballade “die Bude” stürmte und Rorschach’s mythischen Mittelpunkt, die Schmiede in eine Dorfplatz mit Tarantella verwickelte…. solche Momente gibt es nicht zu kaufen. Sie sind die wahren immateriellen Schätze eines Lebens. Für alle Laudationes, von Mark Riklin, meinen Kollegen Richard, Ronnie Ambauen als Vertretung der Stadt Rorschach, sowie für die wunderbaren Blumen möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Das Erlebnis war so einschneidend, dass ich zwei Tage lang ziemlich durch den Wind war und sogar den Lektorendienst in der Jugendkirche versemmelt habe…. Sorry, liebe Pfarrei, es war echt keine Absicht…
Die letzte Szene der Rorschacher Schatzsucher als städtische Angestellte ist, wie Samstags in der Zeitung stand, nun im Kasten. Danke Ruedi Hirtl, für deinen Besuch und die pointierte Berichterstattung im Tagblatt.
Die folgende Bilderserie,”Hoffotograf” Wolfgang Alberty aus Innsbruck, der mit seiner Freundin Claudia die weitest gereisten Gäste waren, stellte sie mir sehr verdankenswerterweise zur Verfügung, beginne ich mit dem Zitat des isländischen Dichters Matthias Johannessen, mit dem ich das Fest eröffnete:
“In der finsteren Tiefe
wohnen unsichtbare Menschen
-manches liegt unter dem Stein-
und die Stadt ist verschwunden,
jenes bewegte Atlantis ist verschwunden.”
Es ist anzunehmen, dass wir Menschen unsere sozialen Räume als Welt um uns und als Welt IN uns wahrnehmen. Rorschach ist ein Gebäudekomplex im Wandel, aber auch menschlicher Organismus- und wir haben eine eigene Vorstellung davon. Architekt
Ronnie Ambauen hat dies treffend (aus dem Gedächtnisprotokoll) in etwa so formuliert: Man kann sich um die städteplanerischen Belange kümmern, um sichtbare Bauten und Häuser. Doch diese müssen von Menschen beseelt werden, die zusammen leben.
So haben wir unseren Alltag, in dem sich das Sichtbare anfühlen kann, wie die finstere Tiefe in Johannessen’s Gedicht. Und dann haben Menschen ihren Stadtkörper im Kopf und im Herzen. Das ist Rorschach im Kopf. Hier ist unser Atlantis- Utopia. Auf diese Suche bin ich geschickt worden. Und letzten Donnerstag haben all diese Menschen, die an der Rorschacher Schatzsuche beteiligt waren gezeigt, dass, wenn man sich dem Augenblick hingibt, sich Atlantis/Utopia und der Alltag vereinen.
Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Das ist mein ganz persönlicher letzter Schatz der Hafenstadt.

Abschlussapéro an der Esse- oder besser gesagt, mit einer Gerstensuppe wurden die Rorschacher "Schatzsuchenationen" an einen Tisch geholt.

Schätze mit einer Altersspanne von fast 100 Jahren: Franz Jacobi (hinten links) vorne Schatzsucherinmutter Hildegard, kritischste Artikelleserin

Frei nach "Don Giovanni: Madamina, il catalogo è questo..." Der Leporello mit allen 2011 publizierten Schätzen.

Stadtrat Ronnie Ambauen beendet per Hammerschlag die 2. und letzte Amtszeit der städtisch angestellten Schatzsucher.

Freudiges Staunen über den Andrang an "wohlgesinnten Geistern" bei Hexenmeister Riklin und Zauberlehrling Camenzind

Mit drei 10er- Hufnägeln hat alles begonnen... Richi überreicht Barbara seine erste Schatzsucheridee, mit der er damals die Ausschreibung gewonnen hatte. Amüsiert beobachtet von Stadtschreiber Bruno Seelos.

Rorschach in Zwissler's Schmiede: Im Vordergrund die kleinen Derwische der türkischen Gemeinde, dazu die italienischen Sänger inmitten von Schweizern, Österreichern, Bosniern und Fahrenden...

Bacione für Maestro Claudio Ambrosi: Im Chor der Angekommenen gibt es nicht nur gute Stimmen, er ist pure Lebensfreude. Funiculaaaa! Was für ein Schatz!































