Ein Schatzsucher als städtischer Angestellter - Eine Idee von Mark Riklin
„Ein städtischer Schatzsucher ist eine Art positiver Detektiv, der nach Schätzen fahndet, sachdienlichen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgeht und die Geschichten hinter den Kulissen der Fundstücke freilegt. Ein Flaneur, der mit offenen Augen durch Strassen und Gassen spaziert, mit seinen Füssen im Schatzbuch der Stadt blättert und deren Ressourcen neu vermisst. Ganz nach dem Motto: Ich sehe was, was du nicht (mehr) siehst.” (Aus dem Logbuch von Mark Riklin, Eintrag 2597, 3. Juli 2008)
„Die erste Stadt mit einem offiziellen Schatzsucher”, lautet im St. Galler Tagblatt vom 19. November 2008 die Überschrift einer Meldung, die wie ein modernes Märchen klingt. Zum ersten Mal aufgetaucht ist die Idee ein Jahr zuvor, als der Soziologe Mark Riklin der Stadt Rorschach im Rahmen des Projekts „Schatz am Bodensee” vorschlug, den öffentlichen Dienst um einen Schatzsucher im Nebenamt zu erweitern.
Hintergrund der Idee von Mark Riklin ist die Überzeugung, dass Schätze haben allein nicht ausreicht: Schätze wollen geschätzt sein, im wörtlichen Sinne. Denn verborgener Schatz ist der Welt nichts wert. Ein offizieller Schatzsucher soll am kollektiven Bewusstsein und Selbstbewusstsein einer Stadt arbeiten, Geschichten und Bilder aufspüren und wieder ins öffentliche Gedächtnis rufen, die man der Stadt nicht (mehr) zugetraut hat.
Die Installation eines Schatzsuchers als städtischer Angestellter sieht Mark Riklin als Teil einer innovativen, zukunftsgerichteten Stadtentwicklung, die jede Stadt verdient. Gerade das Zusammenspiel zwischen Stadtbehörden, Vertretern aus der Bevölkerung und Kunstschaffenden könnte Schule machen, um gemeinsam tragfähige Lösungen für öffentliche Herausforderungen zu erarbeiten. Mit dem ersten offiziellen Schatzsucher der Welt ist ein Anfang gemacht.
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